Wie sieht eine Hauptstadt eines Landes aus, von dem fast jeder in Nordeuropa denkt es sei gefährlich. Von dem kaum jemand wirklich etwas in den Medien erfährt. Alles was man mit Albanien in Verbindung bringt ist die Albanische Mafia. Das wird Albanien überhaupt nicht gerecht. Tirana ist genauso freundlich wie das Land selbst. Genauso “auf dem Weg”, wie das gesamte Land.
Ja der Verkehr ist irgendwie … wie in Asien? Alles wuselt durcheinander.
Aber alles klappt, da niemand auf sein Recht besteht, sondern eine homogene Masse entsteht, die mal die Vorfahrt nimmt, mal Rücksicht nimmt. Niemals agressiv. Und natürlich gibts die typischen Automarken, die sich kacke benehmen. Hier wie in Hamburg. Dennoch, wenn du die Bewegung verstanden hast, bist du sicher, weil auch auf dich geschaut wird.

Da wir Google nicht glauben, fahren wir durch die Außenbereiche, durch kleinere Stadtteile. Hier fällt schon die Menge an Kaffeebars auf. Und es fällt auf, dass Straßen gerade im großen Stil modernisiert werden. Je weiter zum Zentrum hin, desto mehr physisch abgegrenzte Fahrradwege gibt es. Sogar Haltepoller gibt es, auf denen der Radfahrer seinen Fuß stellen kann, um an der Ampel nicht absteigen zu müssen. Ich kenne das aus Deutschland aber nur von Planungen. Man könnte… man müsste…

Außerdem fällt in ganz Albanien auf, dass die Albaner nicht nur gerne in Cafés sitzen, sondern auch, dass sie selbst in den kleinsten Orten verkehrsberuhigte Bereiche einrichten. Tirana hat sie auch, wenn auch im Verhältnis nicht so viele.

Die touristisch interessanten Dinge sind eigentlich auch ohne Tour schon zufällig alle angeschaut. Zufällig über die Gerberbrücke, die alte Festung mit ihrer schönen eingebauten Fressmeile. (Leider sieht man nichts mehr von der Festung), den Platz mit seinen Gebäuden, die Moschee, die Kirche, den Clocktower, der zwischen den neuen Hochhäusern verschwindet und vor nicht allzulanger Zeit das höchste Gebäude der Stadt war, das Stückchen Berliner Mauer, dass die Stadt von Deutschland bekam, weil das Land sich zum gleichen Zeitpunkt von den Fesseln des Sozialismus befreite, wie Deutschland und auf das sie sehr stolz sind, der Markt, die Pyramide, die gerade zu einem nachhaltigen, sozialen Ort umgebaut wird und das abgerissene Staatstheater, auf dessen Gelände nun ein Investor über dubiose Wege eine Luxusimmobile bauen kann, der Bunker und Bunkerart, weiter draußen…

Aber es gibt auch weitere spannende Dinge, die mehr im kleinen passieren. Kleine Gassen wo gehandelt wird, auf den Straßen und in kleinen Geschäften, der gesamte Stadtteil jenseits der großen Hauptstraße, in dem sich jede Menge Cafés und sogar ein Burger King (und sein Konkurrent Opa) herumdrücken, was außergewöhnlich ist für Albanien. (Wir haben außerdem ausser Rossmann&Lala, diesen Burger King und sehr weniger Modeketten in winzigen Läden, kaum ausländische Läden gesehen).

Hier in dem Stadtteil entdeckt man eine Menge Patisserien, die sich nicht verstecken müssen, man findet bunte Zebrastreifen (wie im ganzen Land), künstlerisch gestaltete Verkehrsschilder und natürlich eine Menge Läden und Cafés oder Libaries. Das sind Cafés mit Bücherwänden, die hier sehr beliebt sind.
Da wir in Tirana auch gewaschen haben, sind wir auch in einen Stadtteil weit ab von allen anderen gefahren und haben auch hier ein ansprechendes Leben mit Cafés und Parks gefunden, wo ich mir auch ein Leben vorstellen könnte.
Maschinen sind in Albanien ausserdem aussergewöhnlich modern. Da beginnt bei Geldautomaten, über Waschmaschinencenter bis hin zu Ampgeln, die als ganze die Farbe wechseln (Ampelmast und Kopf).

egal was, immer zuviel


Essen gehen ist in Tirana genauso günstig wie woanders auch und die Portionen sind genauso viel wie überall. Egal was wir machen, egal wie wenig wir bestellen… wir haben den Verdacht sie wollen uns tot füttern. Selbst eine simple Pizza wird zum Wagenrad für 4€.


Dass man sich noch in einem Land im Umbruch befindet, merkt man in Tirana, wenn man plötzlich im Restaurant im Dunkeln sitzt oder an den großen Notstromgeneratoren, die ab und zu zwischen den Häusern stehen.

Tirana hat auch eine Seilbahn und einen großen Park mit einem großen See und wenn man sich nicht in irgendwelchen bunt gewachsenen Stadtteilen festfährt, weil Google denkt, man könne durch Häuser fahren, dann gibt es auch etwas größere Ein- und Ausfallstraßen mit Untertunnelungen und zweistöckigen Kreisverkehren.
Wir sind uns sicher, da kommt noch was in Tirana. Hoffen wir, dass bis dahin oder dadurch nicht alles alte einfach abgerissen und durch riesige Türme ersetzt wird, die die Stadt erschlagen oder in ihrem Schatten verschwinden lassen. Die ersten Kraken sind schon im Land. Aber Albanien hat in seiner Geschichte mindestens zweimal bewiesen, dass es den Kurs auch schlagartig wieder ändern kann, wenn es das Gefühl hat, nicht gut dabei wegzukommen. Vielleicht klappt es auch dieses mal.

Da wir die geschäftige Wuselei, die unglaublich netten Menschen, die tollen Cafés und Märkte lieben, man uns auf viele erdenkliche Arten glücklich gefüttert hat, würden wir immer wieder gerne hierher kommen, egal wenn die Stadt nicht mit anderen Metropolen mithalten kann oder gerade deswegen?