Inzwischen werden auch auf den Stufen von Geschäften dutzende Dünne Kerzen einfach auf den Boden geklebt und angezündet. Die Stadt wird spürbar voller. Immer mehr große Autos mit Fahnen daran tauchen auf. Delegationen aus anderen asiatischen Staaten treffen ein.
Aufgeregt berichten viele Laoten davon was passieren wird.
Denn während sie von den „Festivals“, die in ihrer Stadt stattfinden nicht wirklich viel wissen, wissen sie alles über den Tag, an dem die Lichter ins Wasser gesetzt werden, wenn die großen Boote durch die Stadt ziehen. Weil es ihr Fest ist und kein künstlich kreiertes Fest.

Die Vorbereitungen für den großen Tag laufen auf Hochtouren. Überall wird geklebt, gebastelt und abends leuchten bereits zehntausende Kerzen. Das immer größer werdende Lichtermeer wird durch immer neue Boote ergänzt.



Dann beginnt der Abend, an dem die Boote aufgestellt werden. Der Tag der großen Lichter. Das Ende der buddhistischen Fastenzeit (Boun Awk Phansa). Entlang der Straße wurden die großen Schiffe aufgestellt. Die Tänzer und Begleiter singen und tanzen sich warm. Die Parade führte entlang der gesamten Hauptachse durch die Altstadt. Am Ende werden die leuchtenden Schiffe, die nur mit Kerzen bestückt sind, in den Mekong gesetzt. Jeder Tempel hat zwei Schiffe gebaut, wovon eines im Tempel bleibt und eines ins Wasser gesetzt wird. Dörfer, Vereine und Familien haben weitere Schiffe gebaut. Da sie nur mit Kerzen beleuchtet werden, die sich kurz unter dem Papier befinden, gehen auch immer wieder Teile der Schiffe in Flammen auf. Aber die Umstehenden beginnen sofort mit Wasser zu löschen. Es befindet sich am Bord auch immer ein Kind mit einem Blasrohr, das Kerzen löscht, die gefährlich nah am verbrennen sind. Wir folgen der Parade und biegen dann irgendwann ab Richtung Fluss. Als wir dort ankommen brennt bereits der ganze Mekong. Es ist unglaublich die zehntausenden von Gestecken zu sehen, die mit Kerzen bestückt den Fluss hinunter treiben.

Auch ich kaufe mir ein solches Gesteck aus Palmenblättern. Zuerst waren wir unsicher, ob man daran teilnehmen darf, wurden dann aber von unserer Freundin Mai dazu aufgefordert, weil sie sagte es sei kein religiöses, sondern ein kulturelles Fest. Mit dem einsetzen der Kerze in das Wasser, lässt man alles Unglück den Fluss hinunter fließen. Früher wurden dafür umgedrehte Kokosnussschalen benutzt, in die eine Kerze gedrückt wurde. Mein Gesteck bleibt leider bereits nach wenigen Metern an einer Ankerkette hängen. Dann wird es ausgelöscht von einer Welle. Verdammt!



Andere verklemmen sich unter den Holzbooten und Stegen, wo sie munter weiter brennen und das Holz schwarz färben.
Während die ersten großen Schiffe nun den Mekong erreichen und an uns vorbeifahren, steigen hinter uns Himmelslaternen auf. Die gesamte Stadt wird zu Wasser, zu Luft und vor den Gebäuden und Tempeln vom Kerzenschein erhellt. Die Stimmung ist absolut unglaublich. Dieser Tag wirkt wie eine Eruption dessen, was sich die gesamten Tage angekündigt hat.



Am Ende dieses 8. Tages in Luang Prabang bleibt die Erkenntnis, dass mein Unglück doch weit genug den Fluss hinuntergeschwommen sein muss, denn am nächsten Tag als wir zum Bahnhof zurückfahren um Luang Prabang endgültig zu verlassen, erhalte ich nach sechs vergeblichen Anrufen die Information, dass meine Tasche gefunden wurde. Mein Glaube an die Laoten wurde folglich nicht enttäuscht. Der Fahrer überlegt sogar, ob er noch schnell die 10 km nach Luang Prabang zurückfahren soll, um die Tasche zu holen. Aber die Zeit reicht nicht mehr aus. Und nachdem wir drei Tage und insgesamt 7 Stunden für dieses Zugticket angestanden haben, werden wir den Zug nicht verschieben (können). Aber zum Glück ist der Fahrer eifrig bemüht und bringt die Tasche zu unseren indischen Freunden Navneeth und Shishira in ein Café in der . Somit bleibt für diesen Tag nicht nur die Erinnerung an ein wunderschönes Fest, sondern auch an hilfsbereite und ehrliche Menschen, wie zum Beispiel Mai, die uns in den Stunden in der Schlange vor dem Ticketschalter der Bahn allerhand aus ihrem Leben erzählt hat. Außerdem hat sie am Ende unsere Tickets bezahlt, die nur mit einer laotischen Karte bezahlt werden können. Genauso wie vor zwei Jahren, fällt es schwer ein weiteres Mal Luang Prabang zu verlassen.

Eindrücke des Lichterfestivals

Tipps:

– Zugtickets am Besten am Bahnhof kaufen, da man dort das Ticket mit Bargeld bezahlen kann. Der ist ca. 10 km entfernt, mit einem Roller kommst du dort gut hin. Es gibt sogar Rollerverleiher die speziell für den Kauf der Tickets Roller für 1-4 Std. verleihen. Die Tuktuks sind zu teuer.

– Das Ticketcenter in der Stadt ist sehr überlaufen und wir haben drei Tage hintereinander versucht ein Ticket zu bekommen. Dort kann man nur mit dem Bezahlsystem der Chinesen oder der Laoten zahlen. Wir haben eine nette Laotin kennen gelernt, die hat für uns bezahlt und wir haben ihr Bargeld gegeben.